Lonski & Classen

Lonski & Classen

Als Lonski & Classen 2007 ihre erste EP veröffentlichen, eigentlich ein Minialbum, in dem alles, was aus dieser Musik irgendwann im Morgen noch werden sollte, schon angelegt ist, haben sie ihre unverkennbar eigene Sprache gefunden. Man spürt sofort dieses blinde Einverständnis, wenn die beiden auf einer Bühne stehen. Yann Tiersen spürt es, als er 2009 bei einem Aufenthalt in Berlin zufällig auf dem Record-Release-Konzert des Debütalbums „Climbing On Branches“ in einem alten Ballsaal landet. Wenig später bittet er Lonski & Classen, ihn 2010 auf seiner „Dust Lane“-Tour zu begleiten. Das Duo spielt seine Musik, von der man dachte, ein Windhauch könnte sie zerstäuben, in großen Hallen quer durch Europa, an die 60 Konzerte vor zigtausend Menschen.

Nach der Tour folgt der Rückzug in einen Proberaum in Berlin, da, wo die Stadt beinahe zum Niemandsland wird. Tagsüber wird Holz gehackt, nachts entstehen im Wärmeschein eines kleinen Ofens neue Lieder für die „Japan EP“ und für das zweite Album „All Tomorrow Is Illusion“. Songs, gemacht mit Axt und Reiseschreibmaschine. Und mit diesem besonderen Sinn für Detail und Nähe und die richtige Gefühlstemperatur.

Die Stücke sind manchmal improvisiert und im ersten Take eingespielt, dann wieder in einem langen Prozess Schicht für Schicht mit Klavier, Federhall, Synthesizer gepolstert. Die meisten entstehen im Berliner Niemandsland, andere werden in den Kellerräumen einer ehemaligen Brauerei aufgenommen, unter den Kurven einer Go-Kart-Bahn. Und einige magische Momente werden auf der Insel Ouessant vor dem nordwestlichsten Küstenzipfel Frankreichs festgehalten, wo Lonski & Classen gemeinsam mit Yann Tiersen in dessen Haus aufnehmen.

„Lass Sonne wachsen!“, heißt es in einem dieser neuen Songs. Wie so viele bei Lonski & Classen gibt auch er sein Geheimnis nicht ganz preis, vielleicht umso weniger, je mehr man darüber nachdenkt. Aber er fühlt sich an wie ein Aufbruch, er vermittelt diese Ahnung: Erleuchtung muss man zulassen.

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